KOMMENTARE

„So sollte das sein: Man schreibt an einem längeren Text, dümpelt aber
nicht im eigenen Saft. Vielmehr trifft man sich monatlich an einem
Wochenende in einer kleinen Gruppe und bespricht eigene und fremde
Texte. Gern auch zwischendurch online. Mit dabei immer auch etablierte
AutorInnen. Sprachbewusstsein und Sprachsensibilität sollen schließlich
verbessert werden und nebenbei lernt man verschiedene Schreibweisen
und literarische Formen kennen.Die Leondinger Akademie für Literatur
unter der Leitung von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl ist längst
kein Geheimtipp mehr. Immer wieder taucht die Leondinger Akademie
in den Biographien erfolgreicher JungautorInnen auf.“
Zita Bereuter, ORF/ FM4,12.6.2015


Interview mit Robert Schindel und Vizebürgermeister Franz Kreinecker


„Über den Literaturbetrieb, welche Zeitschriften, Stipendien oder Preise
es gibt, wusste ich zu dem Zeitpunkt wenig.“ Mehr darüber erfahren,
wie die Branche funktioniert, hat Weidenholzer, als sie 2008/09 an der
von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl geleiteten Leondinger Akademie
für Literatur teilnahm.
FALTER, 32/2012


" Das literarische Rüstzeug holte ich mir an der Leondinger Akademie
für Literatur."
Daniela Meisel, Badener Zeitung, April 2011


„.....Und die Geschichten? Schlummerten lang, wurden schließlich vor
wenigen Monaten durch die Leondinger Akademie für Literatur geweckt.....“
Isabella Straub auf FM4/ORF, 2011


Sie haben den einjährigen Lehrgang an der Leondinger Akademie
für Literatur absolviert. Ist "Die falsche Witwe" ein Produkt dieses
Lehrgangs?
Ulrike Schmitzer: Zum Teil. Gustav Ernst, der Leiter der Akademie, hat
mein Manuskript gelesen und mir viele wertvolle Tipps gegeben,
unter anderem: streichen, streichen,streichen! Am Anfang war
das Manuskript doppelt so dick. Wir haben aber auch viele
andere Texte geschrieben. Das Schöne war, dass man mit
verschiedenen Schriftstellern und Schriftstellerinnen zusammenarbeitet
und neue Zugänge zur Literatur kennen lernt. Ich lese Literatur
jetzt ganz anders. Natürlich habe ich auch eine Menge über das
Handwerk gelernt. Und ich bin darin bestärkt worden, meine
eigene Stimme zu finden und niemanden nachzuahmen.
www.austria-lexikon.at/af/AEIOU/Glasenbach, 17.8.2009


Dichter von der Schulbank
Im angloamerikanischen Raum haben sie Tradition, in den
letzten Jahren haben Schreibschulen auch in Europa
einen Boom erlebt. In Österreich gibt es von der Schreibwerkstatt
bis zum Studium ein breites Angebot für lernwillige
JungautorInnen.
Bereits vor 20 Jahren wurde die „Schule für Dichtung“ in Wien
gegründet. Eigene Erfahrungen bildeten für Christian Ide Hintze
den Anstoß, eine solche Schule zu eröffnen: „Friederike Mayröcker
hat sich mit mir getroffen und eine Stunde lang mit meinen
Texten beschäftigt.“ Den Austausch mit Autorinnen und Autoren
wollte er auch anderen ermöglichen: „Bei uns kann man lernen,
wie interessante Autoren selber arbeiten.“ Das seien vor allem
Autorinnen und Autoren, die grenzüberschreitend arbeiten, etwa
mit anderen Medien und Technologien. Die berühmten Lehrer
reichen von H. C. Artmann bis Nick Cave.
Der oft geäußerten Kritik, dass Autorinnen und Autoren von
Schreibschulen „alle gleich schreiben“, begegnet Christian Ide
Hintze gelassen: „Ich finde es gar nicht schlecht, wenn man als
junger Autor einem großen Autor begegnet, dessen Methoden
kennenlernt und nachzuahmen probiert. Dann kann man immer
noch seinen eigenen Ton finden.“
Die Schule für Dichtung setzte sich auch für die Gründung des
Bachelorstudiums Sprachkunst ein, das seit 2009 an der Universität
für angewandte Kunst angeboten wird. Vorstand ist Robert
Schindel, es lehren Profis von Sabine Scholl bis Gustav Ernst. Von
erfahrenen literarischen Autorinnen und Autoren könne man vieles
lernen, so Ernst: „Schreibhaltungen, sprachliche und literarische
Sensibilität, Lösungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, Darstellungsverfahren,
das Wesen literarischer (Knochen-)Arbeit,
Disziplin und Selbstkontrolle, Marktbedingungen, Kritik und
Kühnheit.“ Und was muss man selbst mitbringen? „Lern- und
Arbeitseifer, Ausdauer und starke Nerven, Talent und einen ‚brennenden
Kern‘.“

Schreiben lernen in Österreich



Simone Kremsberger,Bücherei Perspektiven 01/2011


WIEN | JUNGE DETSCHSPRACHIGE LITERATUR
Erneut mit der unlösbaren Problematik konfrontiert uns die zeitgleiche Lesung
junger Dichter , wie sie die Literaturzeitschift “kolik” seit Jahr und Tag vorstellt.
Und ihnen auch seit Jüngerem im Rahmen der “Leondinger Akademie
für Literatur” auf die schreibtechnischen und poetischen Sprünge hilft .
Mit der Präsentation des Jahrgang 2008 | 2009 sind vielleicht einige der
wichtigen Stimmen von morgen frühzeitig zu erkennen .
Es lesen Gudrun Büchler , Johannes Epple , Beate Hilger , Daniela Meisel ,
Renate Silberer und Anna Weidenholzer . Es moderiert Co- Editorin der
“kolik” , Bachmannpreis- Jurorin und Übersetzerin Karin Fleischanderl .
Junge deutschsprachige Literatur–Österreichische Gesellschaft für Literatur–
Dienstag , 13. Oktober 2009 , 19 H
In/ad/ae/qu/at
NEUES VON FREUNDEN


Dichterschulen-Das literarische Schreiben wird akademisch

Ist die Zeit der rührend verwehten Originaldichter vorbei? Auf genialische
Begabung allein wollen künftige Literaten nicht mehr vertrauen. Es gibt immer
mehr Schreibschulen, und der Schriftstellerberuf wird auch im
«wer dichten kann / ist dichtersmann.» So einfach war das anno Artmann.
Altmodische Poeten fallen vielleicht vom Himmel, den Titel «Master» oder
«Bachelor» erwirbt der Dichter jetzt auf akademischem Weg. Wenn die
gesamteuropäische Vereinheitlichung der Studienabläufe im sogenannten
Bologna-Prozess seinen Ausdruck findet, dann wollen auch die Schreibschulen
nicht abseits stehen. Es drängt sie ins akademische Leben, seltsam klingende
Diplome hin oder her. Im März haben sich die europäischen
Schreibinstitute in Leipzig zum Erfahrungsaustausch getroffen. Im November
folgt die nächste grosse Konferenz, diesmal in Prag. Eine sanfte Euphorie
beflügelt die schwedischen, dänischen, deutschen, usbekischen und
österreichischen Häuser. Schreiben wird zum akademischen Beruf,
und immer mehr Institute wollen das Feld der akademisch-künstlerischen

Ausbildung nicht allein dem frommen Handwerk der Bildhauer und
Maler überlassen. Ist das ein Zeichen wachsenden Selbstbewusstseins oder das
Gegenteil?
Erfolgreiche Professionalisierung
Lange Zeit war das «Creative Writing» angloamerikanischer Universitätsseminare
den Kontinentaleuropäern suspekt. Ein Steckenpferd rationaler
Kunstauffassung sei das. Immerhin ist die englischsprachige Literatur in
den letzten Jahren damit von Erfolg zu Erfolg geritten. Beispiele gibt es viele.
Ian McEwan hat einst die Dichterschulbank gedrückt. Am Institut in Iowa
hat Kurt Vonnegut John Irving unterrichtet, von dem wiederum hat T. C.
Boyle gelernt. In Amerika wie in Europa: Professionalisierung lautet das
Schlagwort auf einem Markt, der sich mit Begabung allein nicht mehr
aufhalten will. Fertige Schriftsteller sollen den Verlagshäusern vor die Tür gestellt
werden. Marktreif und bitte nicht so verhuscht wie zu jenen Zeiten, als ein
Lektor sie noch geduldig bei der Hand nahm und sie bis zum fertigen Buch
begleitete.
Wer nimmt sich der künftigen Autoren an, wenn selbst die Literaturzeitschriften
keine Zellen literarischer Individuation mehr sind? Auch Burkhard Spinnen
führt solcherart profunde Klage. In einem Aufsatz des jüngst erschienenen
Suhrkamp-Bändchens «Wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller?».
Ganz einfach ist es nicht, mit dem Schreibenlernen, das müssen auch die
Herausgeber Josef Haslinger und Hans-Ulrich Treichel eingestehen. Ein
Schreibstudium sei eine Anleitung zur produktiven Selbstkritik, aber keine
Erfolgsgarantie. Mehr ist es wohl wirklich nicht, sagt auch Daniel
Rothenbühl vom Schweizerischen Literaturinstitut, das gerade in Gründung
begriffen ist.Josef Haslinger und Hans-Ulrich Treichel sprechen
aus Erfahrung. Denn als Professoren des Leipziger Literaturinstituts kommen
sie aus der Kernzelle aller Dichterakademien. Vor 55 Jahren wurde in der DDR
unter dem Namen Johannes R. Bechers eine Literatenschmiede gegründet, in
der man angehende Schriftsteller noch ganz im Sinne Lenins zu
«Ingenieuren der menschlichen Seele» geometrisierte. Rund tausend
Absolventen haben die Poesieanstalt in den Jahrzehnten vor dem Mauerfall
verlassen. 1990 wurde die Anstalt aufgelöst, um 1995 als Deutsches
Literaturinstitut (DLL) an der Universität Leipzig wieder gegründet zu werden.
Erfolge haben sich längst eingestellt. Die Leipzig-Absolventin
Juli Zeh ist eines der besten Beispiele dafür, wie man den Drang zu schreiben auf die
Temperatur des Marktes herunterkühlt. Der Roman «Adler und Engel»
war Juli Zehs Leipziger Diplomarbeit und machte 2001 im Literaturbetrieb Furore.
Sechs- bis achthundert Interessenten müssen sich in Leipzig um die zwanzig
Studienplätze prügeln. Da gibt es auch genügend Potenzial für andere
Einrichtungen in Europa - ein Wechsel der Studienorte ist dabei ausdrücklich
erwünscht und nach den Bologna-Kriterien, die einheitliche Bachelor- und
Master-Studien fordern, auf einfache Weise möglich. Bis vor kurzem war das
DLL die einzige Dichterschule im deutschsprachigen Raum, die auch auf
universitärem Boden verankert war. Jetzt ziehen andere Städte nach. Die
Universität Hildesheim hat eine Professur für kreatives Schreiben eingerichtet.
Derzeit ist dieser kulturwissenschaftliche Lehrstuhl mit dem Schriftsteller
Hanns-Josef Ortheil besetzt. Gescheitert ist indes ein Projekt, an der
Folkwang- Hochschule in Essen eine Dichterprofessur zu etablieren.
Einschlägige Konzepte aus dem Jahr 2002 wurden bisher nicht weiterverfolgt.
Schreiben und Übersetzen
Die Schweiz steht mit der Einrichtung eines akademischen Literaturinstituts in Biel
kurz vor dem Abschluss. Als Teil der Kunsthochschule Bern soll das
Literaturinstitut im Oktober 2006 seinen regulären Betrieb aufnehmen.
Geboten wird literarisches Schreiben Deutsch, literarisches Schreiben
Französisch und ein Studium für Übersetzung. Mit seiner Einteilung in ein
Bachelor- und ein Master-Studium wäre auch die Bieler Dichteruniversität
Bologna-adäquat. Im September wird die Berner Kantonsregierung eine
endgültige Entscheidung über Wohl und Wehe der Dichterfakultät fällen.
Die Vorbereitungsprozesse dauern schon Jahre. Ökonomisch waren sie durch eine
private Stiftung getragen.Von einer solchen kann Christian Ide Hintze,
Chef der Wiener Schule für Dichtung, nur träumen. Auch wenn der
Wille längst da ist - es fehlen die Mittel zur Gründung einer Akademie. Der
österreichische Marsch in die Institutionen ist ein aufhaltsamer. Vor zwölf Jahren
war sich eine illustre Runde aus H. C. Artmann, Gerhard Rühm, Wolfgang
Bauer, Peter Rosei und Ferdinand Schmatz einig, dass es eine österreichische
Dichterakademie geben müsse. Jahre sind verstrichen, bis die Schule für
Dichtung 2001 wenigstens vom Rektor Boris Groys an die Akademie der
bildenden Künste gebeten wurde. Mit Internetklassen zwar und virtuell, aber
immerhin war das Angebot ein Teil des Hochschul-Studienplans.
Als Boris Groys Wien wieder verlassen hat, war es mit der gelehrten Ambiance vorbei.
Schmaler Grat
Im Herbst 2005 soll aber endgültig Druck gemacht werden. Christian Ide Hintze
will die Dichterprominenz zum Unterstützungskomitee formieren. Dann, so
schätzt Hintze, kann es noch einmal zwei Jahre dauern, bis ein Curriculum
erstellt ist und sich technische Strukturen abzeichnen. Schmal ist der Grat,
der zwischen den Disziplinen noch bleibt. Das akademische
Curriculum soll weder literarisch verwehte Medienarbeiter produzieren noch
germanistisch clevere Dichter. Dass der Vorgang des Unterrichtens
auch ein unwiederholbarer poetischer Akt sein kann, hat die Schule für Dichtung in
kleinstem Rahmen bewiesen. Es gab Lehrperformances von H. C. Artmann,
Allen Ginsberg, Nick Cave oder Blixa Bargeld, die geradewegs das Gegenteil
akademischen Gehabens waren.
Das nahe Prag ist fürs Erste schon weiter als Wien und hat seit kurzem eine
ebenfalls eigene Literaturuniversität. An der Privathochschule
Josef Škvoreck liegen die Schwerpunkte auf kreativem Schreiben zwischen Literatur und
Medienkultur. Nach sechs Semestern winkt der Titel Bachelor, nach
zehn der Magister. Das Bakkalaureat kann man zudem im Musikjournalismus
erwerben.Vieles spriesst noch abseits des akademischen ernsten
Treibens. Im idyllischen Grüngürtel um Linz ist die neu gegründete
Leondinger Akademie für Literatur angesiedelt. Die Schriftsteller Josef Winkler,
Robert Schindel, Antonio Fian, Kathrin Röggla und Gert Jonke werden dort
ab November unterrichten. Auch Literaturkritiker sind schon zur
Stelle. So wird auf schönste Weise der Markt schon vor der Einführung
des Produkts simuliert. Man weiss ja nie, was aus den Dichterschülern noch wird.
Paul Jandl, NZZ, 13. August 2005







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